Aktuelle Verkehrsplanung durch Thurnau
Zwei Staatsstraßen verlaufen durch das Ortszentrum Thurnaus. Die St 2689 (Kulmbacher Straße) mündet von Norden kommend in die St 2189 (westlich Bahnhofsstraße, östlich Mittlerer Markt/Marktplatz/Oberer Markt) und führt dann als Berndorfer Straße zur Autobahn. Nun soll die St 2689 bis zur Einmündung in die Bahnhofstraße ausgebaut werden, um den Schwerlastverkehr bequemer durch den Ort zur A70 leiten zu können. Andere Verkehrsteilnehmer, Anwohner, sowie Denkmal- und Umweltschutz finden in der aktuellen Planung wenig Beachtung.
Verkehrsverbindungen Umgebung
Zwischen Kulmbach und der A70 bestehen mehrere Verkehrsverbindungen. Neben der B85 im Osten und der Route über Kasendorf im Westen gewinnt die Route über Krumme Fohre und Thurnau (St 2190/St 2689) zunehmend an Bedeutung. Durch den im November 2025 abgeschlossenen Ausbau der Trasse St 2190/St 2689 bei Krumme Fohre und um Döllnitz herum wurden bisherige Engstellen beseitigt. Damit wird sie attraktiver für den Schwerlastverkehr aus den westlich von Kulmbach gelegenen Industriegebieten. Wird außerdem das Gewerbegebiet "Krumme Fohre" an dieser Trasse gebaut, ist mit weiterem Verkehr zu rechnen.
Abschnitt Döllnitz-Thurnau/Ortsdurchfahrt Thurnau bis zur A70
Nun soll der Ausbau der Trasse bis zur Autobahnauffahrt "Thurnau West" mitten durch Thurnau abgeschlossen werden. Hierfür soll das Baudenkmal „Gasthaus zum Weißen Schwanen“ (Kulmbacher Straße 2) abgerissen werden, um die Kreuzung zur Bahnhofsstraße leistungsfähiger und sicherer zu gestalten.
-
Thurnau mit Verlauf der St 2189 und St 2689 durch das Zentrum, rot markiert: geplanter Ausbau der Trasse bis zur Einmündung in die Bahnhofsstraße, dann Richtung A70; gelb Markiert: Schloß und Gasthof zum Weißen Schwanen - Karte aus Gestaltungsfibel - Markt Thurnau, S.9) -
Thurnau mit Verlauf der St 2189 und St 2689 durch das enge historische Zentrum (gelb markiert); von links kommt die Kulmbacher Str., die ausgebaut werden soll bis zur Einmündung in die St 2189 (rot markiert) - Luftbild: Ingo Bäuerlein - www.FrankenAIR.de
Bürgermeister Bernreuther und der Gemeinderat des Marktes Thurnau befürworten den Ausbau, "um einen sicheren Verkehrsfluss zu gewährleisten, ohne zum Beispiel über Ampelregelungen nachdenken zu müssen." Ziel sei es die Einmündung bedarfsgerecht und sicher zu gestalten. „Der Markt Thurnau hat seit 2015 auf diese Situation immer wieder hingewiesen, insbesondere im Zusammenhang mit der Ausweisung des Gewerbegebietes in Krumme Fohre durch den Markt Kasendorf." (Bürgermeister: „Es darf kein Nadelöhr entstehen“, Fränkischer Tag vom 17.11.25)
Wir Schwanenretter sehen diesen Ausbau äußerst kritisch. Es besteht die Gefahr, dass die ausgebaute, engstellenfreie Trasse künftig verstärkt als Abkürzung genutzt wird, um schneller zur A70 zu gelangen. Das könnte insbesondere für das westliche Thurnau zu deutlich mehr Durchgangsverkehr führen.
Konsequenzen für Fußgänger, Radfahrer und Anwohner:
- Trennende Wirkung der Trasse wird verschärft
Bereits im Ergebnisbericht Integriertes Städtebauliches Entwicklungs-Konzept (ISEK) von 2024 wird im Kapitel "M5" darauf hingewiesen, dass der Straßenzug Richtung A70 ein verhältnismäßig großes Verkehrsaufkommen aufweist. Die großen Nahversorger an der Bahnhofstraße seien fußläufig schwer zu erreichen. Es mangle an Querungshilfen für den Fußverkehr. An diesen Stellen könnten Ampeln oder Zebrastreifen die Situation für Fußgänger verbessern. - Verschlechterung der Verkehrssicherheit für Schüler und Fußgänger
Da direkt neben den Einkaufsmärkten auch der Busbahnhof von Thurnau liegt, gibt es zu Schulzeiten durchaus viele Schüler, die die Kulmbacher Straße morgens in Richtung Westen und mittags umgekehrt überqueren müssen. Ohne Ampel oder Zebrastreifen an der Einmündung der Kulmbacher Straße werden sie stärker als bisher gefährdet. - Erhöhung der Unfallgefahr
Eine ausgebaute Straße verleitet dazu, schneller zu fahren. Dadurch wird die Unfallgefahr erhöht. Bisher hat der mächtige ehem. Gasthof zum Weißen Schwanen dafür gesorgt, dass Autofahrer abbremsen, Verkehrsunfälle sind uns als direkte Anwohner nicht bekannt. Auch in der Abbruchgenehmigung wird von keinen Unfällen berichtet. - Beeinträchtigung der Lebensqualität
Zur Eröffnung der Ortsumgehung Döllnitz hieß es in der Pressemitteilung des Straßenbauamtes: "Endlich weniger Durchgangsverkehr in Döllnitz, endlich mehr Sicherheit auf der Straße und besserer Schutz des Eigentums! Für die Bürgerinnen und Bürger von Döllnitz geht ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung."
Nun wird diese Problematik nach Thurnau verlagert. - Zunahme an Schadstoffbelastung und Lärm
- Entwertung der Immobilien
Immobilien an vielbefahrenen Straßen verlieren an Aufenthaltsqualität für die Bewohner und damit an Wert. - Verlust des bedeutenden Denkmals "zum Schwanen" im Ensemble "Ortskern Thurnau"
Ein wichtiges Zeugnis einer fast 400-jährigen Geschichte wären für immer zerstört.
Begründet wird dies Planung mit einer besseren Verkehrssicherheit, erreicht wird offensichtlich das Gegenteil. Folglich ist sie nicht zielführend.