Kommentare und Statements
Ein Streich der Schildbürger
Die Entscheidung der Regierung zum Abriss des „Weißen Schwanen" ist von der Thurnauer Bevölkerung mit erstaunlicher Gelassenheit zur Kenntnis genommn worden. Um so mehr ist dem Denkmalnetz Bayern zu danken, dass es den Wert des einstigen Gasthauses erkannt hat und gleichzeitig durch den Erhalt dieses Gebäudes für eine natürliche Verkehrsberuhigung sorgt.
Es erinnert schon an einen Schildbürgerstreich, den Verkehrr aus Döllnitz heraus großzügig umzuleiten, um ihn dann quer durch den Markt Thurnau zu führen. Damit würde
Thurnau für den Schwerverkehr zum bequemen Autobahnzubringer.
Wäre es nicht eine einfache kostgünstige Alternative, an passender Stelle die Straße 2689 für den Schwerverkehr zu sperren und ihn über die ausgebaute Straße 2190 Richtung Kulmbach zur Autobahn zu leiten? Vielleicht wachen die Thurnauer doch noch auf, bevor ihnen der zu zukünftige Schwerverkehr den Schlaf raubt.
Dr. Uta von Pezold, Thurnau
Es geht hier nicht nur um ein Baudenkmal – es geht auch um die Vertrauenswürdigkeit von Politik in kritischer Zeit.
Der Denkmalschutz hat in Bayern Verfassungsrang. Das sollte jeder Kommune und jeder politischen Institution Verpflichtung sein - auch dem Markt Thurnau, auch der Regierung von Oberfranken.
Kein Privateigentümer darf von Rechts wegen – auch mit noch so triftigem Grund – ein baulich standfestes Denkmal abreißen, doch in Thurnau soll auf der Basis denkmalfachlich widerlegter Begründungen ein wertvolles Einzeldenkmal dem Bagger zum Opfer fallen. Dies, obwohl das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege als Fachbehörde hiergegen eindeutig Position bezogen hat. Und obwohl sich das höchste Expertengremium des Freistaats im Bereich Denkmalschutz, der Bayerische Landesdenkmalrat, massiv gegen den Abriss ausspricht.
Wenn sich Behörden – Eigentümerin ist pikanterweise das Staatliche Bauamt – selber einen Freifahrtschein ausstellen, hat das nicht nur ein Geschmäckle, sondern es entsteht der Eindruck, dass ein Gesetz nicht respektiert wird, dessen Einhaltung wir aber von jedem privaten Eigentümer fordern.
Menschen reagieren zurecht empfindlich, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird. Und so geht es hier nicht nur um ein Baudenkmal – es geht auch um die Vertrauenswürdigkeit von Politik in kritischer Zeit.
Der Regierung von Oberfranken und der Kommune Thurnau würde es gut anstehen, ihren Fehler einzusehen und auf den Abriss zu verzichten. Die Klage des Denkmalnetzes Bayern ist wohlbegründet. Ich wünsche ihr den verdienten Erfolg – damit wir Heimat nicht verlieren.
Sabine Weigand, Historikerin, Autorin und Denkmalpolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen im Bayerischen Landtag
Beschluss des Landesdenkmalrates
Der Landesdenkmalrat bedankt sich bei Regierungspräsident Florian Luderschmid und allen Beteiligten für das kurzfristige Einräumen des Ortstermins und die rege Teilnahme. Der vorgesehene Abriss des Einzeldenkmals Kulmbacherstr. 2 (es besteht bereits eine Abbruchgenehmigung) wird insbesondere durch den Ausbau der Staatsstraße Döllnitz -Thurnau Ortsdurchfahrt Thurnau begründet. Die derzeitige Engstelle am Baudenkmal soll aus Sicherheitsgründen für Fußgänger und entsprechend gültigen Vorschriften für sich begegnendem Schwerlastverkehr aufgeweitet werden.
Das durch die Verbreiterung vom Abriss bedrohte Denkmal Kulmbacherstr. 2, ein ehemaliger großer Gasthof, ist in einem für das Alter guten technischen Zustand und weist innen eine Fülle selten erhaltener konstruktiver und formaler Details seit dem 17. Jahrhundert auf, die es zu einem besonders wertvollen Baudenkmal machen.
Das Denkmal liegt zudem an einem wichtigen Punkt des Ensembles Thurnau. Es war historisch das erste Gebäude an der Zufahrt des Marktes Thurnau von Kulmbach und Kasendorf aus und prägt durch seinen markanten Baukörper bis heute diese Stelle.
Der Landesdenkmalrat ist strikt gegen einen Abbruch und plädiert nachdrücklich für einen Erhalt des historisch bedeutenden Baudenkmals. Der Landesdenkmalrat hält das Festhalten der Regierung an einem Abriss für grundsätzlich falsch. Dieses darf keinesfalls einen Präzedenzfall für das weitere Vorgehen der Regierung von Oberfranken darstellen.
Landesdenkmalrat
Kommentar von Cordula Langer |
Besitze selbst ein denkmalgeschütztes Haus (geerbt). Habe immer gedacht, so sei es geschützt. Aber offensichtlich findet die Abrissbirne immer noch ihre Wege. Gruselig! Hoffentlich hilft die Petition diesem alten Wirtshaus!!!
Kommentar von Dr. Regina Hanemann |
Mein Großvater ist in Thurnau aufgewachsen und liebte dieses Städtchen so sehr, dass sich diese Liebe auf mich übertragen hat. Das Durchfahren von Thurnau ist mühsam und sollte es auch bleiben, denn das schützt das Ortsbild. Die Zeiten, in denen man Gebäude dem Schwertlastverkehr geopfert hat, sollten längst vorbei sein! Ein Hoch auf die Denkmal-Hindernisse!
Kommentar von Martin Wiesend |
Der Verkehr muss sich auch mal nach schützenswerter Bausubstanz richten und nicht immer umgekehrt. Hat man aus den Fehlern der 60er- und 70er-Jahre nichts gelernt?
Kommentar von Jürgen Kraus |
Mich verwundert, dass hier zur Unterstützung einer Petition aufgerufen wird, ohne dass ein exakter Text dazu vorgelegt wird und ohne dass, auch nur in Ansätzen, zu dem lösenden Verkehrs-, Nutzungs- und Finanzierungsfragen Vorschläge gemacht werden. Die angesprochene Ampel- Lösung jedenfalls hätte für den Ortskern Thurnau verheerende Auswirkungen.
Kommentar von Elisabeth Musbach |
Ein solch ortsbildprägendes altes Bauwerk einer neuen Straßenplanung zu opfern, lehne ich ab. Schlage vor, für den Weißen Schwanen eine sinnvolle Nutzung zu suchen und auch einen Straßenverlauf, der nicht durch den Ortskern geht.
Kommentar von Dr. Malte Nettekoven |
Das hört sich nach einem Vorhaben aus den 1960er Jahren an bevor die Denkmalschutzgesetze eingeführt wurden. Damals hätte man vielleicht noch darüber nachgedacht, das Gebäude in ein Freilichtmuseum zu bringen... Kommen wir dahin jetzt wieder zurück?! Ich hoffe doch nicht...
Kommentar von Dr. Ruprecht Konrad |
Im Ensemble von Thurnau wäre der geplante Eingriff ein unverzeihlicher, nicht wieder gut zu machender Fehler. Dies vor allem unter dem Aspekt der geplanten verkehrsbezogenen Maßnahmen, für die weitaus bessere Alternativen zur Verfügung stehen.
Kommentar von Stefan |
Auch in unserem Dorf wurde vor einigen Jahrzenten ein 400 Jahre altes, beeindruckendes, Ortsbildprägendes Gasthaus mit Brauerei wegen Straßenbau abgerissen.
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